Regenbogenwetter

Mienen

Obwohl mich die Geräuschekulisse des Bahnhofs förmlich in sich aufsog und es mir schier unmöglich machte überhaupt noch etwas herauszuhören, schienen meine Schritte auf dem kahlen Steinboden durch die ganze Halle zu hallen.

Ich ging ziellos umher, während jeder um mich herum zu wissen schien, was er suchte und wenn es nur die Orientierungskarte war, ich jedoch lief zwar, aber nur um nicht um nicht zu stehen, nur um nicht in mir diese unangenehme Ruhe entstehen zu lassen, die mir alles nur viel klarer machen würde.

So lief ich und blieb nicht stehen, stur und kalt, wie die Luft um mich herum, stur und kalt wie die Mienen der Geschäftsleute, die hier unterwegs waren, auf ihren Wegen nach Hause, an einen warmen Ort, einen Ort, den ich selbst besaß, den ich jedoch nicht aufzusuchen wagte, da ich befürchtete, die letzte Brücke zwischen den Ereignissen der letzten halben Stunde zu zerstören.

 

Viel mehr klammerte ich mich an das Fremde.

Ich stellte mir vor, was die Geschäftsleute wohl taten, wenn sie aus ihrer seriösen Rolle schlüpften und nach Hause kamen.

Waren sie erschöpft und gereizt und duldeten keinen Widerspruch, wollten keinen Kontakt mit ihren Mitmenschen, ließen ihre Frau einfach stehen?

Oder waren sie so, dass sie nach Hause kamen und ohne ein Wort zu verlieren einfach losließen von all dem Ärger der Geschäftswelt, ihre steifen Mienen lockerten, um sich einem

warmen Kuss hinzugeben?

 

Ein warmer Kuss auf warmen Lippen.

Das waren sie gewesen, trotz der schneidenden, sturen Kälte, trotz der gottverdammten sturen Hoffnungslosigkeit, die sich unmerklich zwischen uns geschoben hatte, seit wir den Zug zum Bahnhof verlassen hatten.

Und sie hatte dennoch gelächelt, obwohl sie selbst genau gewusst hatte, was passieren würde, würde sie loslassen und sie musste loslassen, um ihren Zug nicht zu verpassen.

Wie gleichgültig mir ihr Lächeln jetzt war, überraschte mich selbst ein wenig, ich war kalt, kalt wie die Geschäftsleute, um mich herum, kalt, ohne überhaupt zu wissen, was es bedeutete kalt zu sein, denn konnte ich Menschen doch nicht einfach ihrem Gesichtseindruck einordnen.

Ich konnte mich selbst nicht mehr einordnen, nicht mehr in die Zeit, die mir so aus den Fingern geronnen war und nach der ich nun so verzweifelt tastete und das mit einer Miene, die nur die eines Geschäftsmannes sein konnte, der der Seriosität wegen kalt blieb und das vielleicht auch vor sich selbst.

Ich verließ den Bahnhof schweigend und zerstörte mit meinen hallenden Schritten die Brücke, die ich letzten Endes niemals überschreiten wollte, jetzt aber dankend nahm, um davon loszulassen, was mir später wie ein wegerworfener Rettungsring vorkommen würde.

Tatsächlich war sie nämlich nicht gestorben, sie wartete bloß an einem anderen Gleis auf mich.

3 Kommentare 21.8.08 00:12, kommentieren

Werbung


Oh, and I remember it all

Als sie dann wirklich gegangen war, hatte sich auch der letzte Funken verdammter Hoffnung in dem Wind verloren, der sich letztendlich irgendwie doch seinen Weg in den alten Pub gebahnt hatte.

 

"Everything I've seen, everything I've touched, everything that was in my mind is gone. And everything I got now is you."

 

Ich hielt einfach daran fest und glaubte naiverweise, dass sie damit an mir hing und niemals loslassen würde, doch manche Halte verlieren ihr Profil und man fällt einfach ab, sie ließ sich fallen und das macht es so schwer für mich.

Letztendlich kann ich nicht akzeptieren, was geschah, letztendlich hänge ich zwischen meinen Gedanken fest, unfähig zu handeln, unfähig zu begegreifen, dass sie schlichtweg gelogen hatte.

 

---

 

Damien Rice' Song "Cheer's Darlin'" gewidmet.

1 Kommentar 14.8.08 20:08, kommentieren

Joanne K. Rowling - "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes"

---

 

Ja, da habe ich ihn wohl gelesen, den ultimativen letzten Band der Potter-Saga, lange nachdem ich den 6., hochdramatischen Teil hinter mich gebracht habe.

 

Über die gesamte Story will ich mich hier eigentlich nicht auslassen, sollte sie doch jede Person kennen, die sich auch nur minimal mit Büchern beschäftigt, oder auch nur die Ohren und Augen weit genug offen hält, um durch die Öffentlichkeit praktisch automatisch informiert zu werden.

 

Nun geht's jedenfalls auf den großen Gegner Voldemort zu und Harry muss stark an alle seine Stärken und Freunde glauben, um das zu überstehen und letztendlich zu siegen.

 

Das Buch ist zweifellos spannend und schön geschrieben, hat nach wie vor seinen Charme und überzeugt durch eine runde Handlung, die auch sinnvoll zu Ende geführt wird.

Dennoch gibt es nahezu offensichtliche Makel, die vielleicht einfach auch nur Produkte der konsequent-vorantreibenden Handlung sein mussten. 

So leidet leider die emotionale Seite des Buches.

Harry ist größtenteils ziemlich blass, während andere Charaktere nach wie vor ihren Charakter nur zu deutlich machen, wie etwa Ron oder Hermine, die deutlich lebendiger und greifbarer erscheinen, als der Narbenträger.

Ebenso kommen die Beziehungen zwischen den Charakteren leider größtenteils zu kurz, etwa zwischen Ron und Hermine oder Harry und Ginny, so ist es gerade gegen Ende nicht allzu offensichtlich, weshalb etwa zwei Charaktere plötzlich auf jene Weise zueinander handeln.

 

Aber das sind dann auch nur Abzüge in der B-Note. Letztendlich unterhält der finale Band sehr gut, steckt voller Überraschungen und Abenteuer und macht schlichtweg süchtig.

Lediglich der Schluss wirkt vielleicht ein wenig zu theatralisch und wird sich demnach sicher super für den Film dazu machen. Schade eigentlich.

 

Aber Vorwürfe sollte man Mrs. Rowling dennoch nicht machen, letztendlich bleiben nämlich keine Fragen offen, wenn der Schluss dann auch jeden Ansatz einer Fortsetzungsmöglichkeit terminiert.

7 Kommentare 9.8.08 13:40, kommentieren

"L.A. Crash"

Die Leute in L.A. kommen nicht dazu sich wirklich zu berühren, hinter so viel Glas und Beton verbergen sie sich, doch irgendwann müssen sie es einfach und dann kommt es zu einem Crash.

 

Eine Beschreibung lag mir geradezu auf der Zunge, als der Fim, der gestern auf ARD seine Free-TV Premiere hatte, endete: Schwer.

Inwiefern schwer?

Nun, das Gewicht, das dieser Film auf mich ausgeübt hat, war schon ziemlich schwer, der Film ansich ist schwer, seine ganze emotionale Wirkung, alles gewaltig groß, groß wie die Stadt L.A., die sich in der Schlusssequenz noch einmal in ihrer großen verlorenen Erscheinung zeigt.

 

Wirklich selten war ich den Tränen so nahe, wie bei diesem Film.

Eine absolute Empfehlung.

 

---

1 Kommentar 8.8.08 13:37, kommentieren

Unglaublich...diese Fragen!

Wirklich!

Und ganz ehrlich!

Diese Fragen fragt sich nicht jedermann!

 

GMX informierte mich einen schönen Tages einmal über "The Book of Questions" mit Fragen über die man sich einfach den Kopf zerbrechen muss, nachdem man sie erst einmal gelesen hat.

Kostprobe?

 

Würden Sie einem wunderschönen Schmetterling seine Flügel ausreißen, wenn Sie dafür einen tollen einwöchigen Urlaub Ihrer Wahl bekämen?

 

Wenn Sie heute entscheiden müssten, mit Ihrem Partner für den Rest Ihres Lebens zusammen zu bleiben oder ihn sofort zu verlassen - was würden Sie tun?

 

Wären Sie bereit einen unschuldigen Menschen zu töten, wenn dadurch der Hunger der Welt beendet werden würde?

 

Oder der Klassiker:

 

Würden Sie gern Ihr genaues Todesdatum wissen?

 

Alle Fragen natürlich ohne explizit richtige oder falsche Antworten. 

 

Ich habe mir den Auszug auf GMX einmal durchgelesen und muss auch sagen, dass ein paar wirklich bedenkenswerte Fragen drunter waren, aber solche, die mich sogar dazu bewegen konnten, Veränderungen an meiner Lebensführung vorzunehmen, habe ich nicht gefunden, obwohl doch sogar die Option genannt wurde.

 

Na, wagt es jemand zu antworten?

6 Kommentare 7.8.08 15:43, kommentieren

Lesen!

Harry Potter mag mittlerweile wohl recht oberflächlich geworden sein, die Tiefen einer unbekannten Zauberwelt sind in aller Munde, denn Harry teilte die sagenhaften Geheimnisse, die er aufdeckte, mit der ganzen Muggelwelt. Der Zauber ist aber dennoch nicht so wirklich verflogen, oder wie lässt es sich sonst erklären, dass ich gestern fast den ganzen verdammten Tag an diesem Buch saß?

 

Dabei kann ich ganz objektiv schon Mängel finden und aufzählen, entdecken, dass das Buch wirklich recht oberflächlich und gar nicht einmal so bahnbrechend und innovativ ist, vor allem, da Hogwarts in dem letzten Band (den ich ja endlich auch einmal lese) schamlos vernachlässigt wird, die große Zauberschule, die Innovation in Sachen Fantasy!

Uh, aber es ist schon fast wie Fastfood: Einfach nur leicht zugänglich und perfekt zum Verschlingen, sodass ich einfach nicht die Augen davon lassen kann und schämen tu' ich mich auch nicht dafür.

So!

5 Kommentare 4.8.08 12:26, kommentieren

Tatsächlich ein Jahr

So leicht zu glauben ist es ja nicht, aber mein Blog ist tatsächlich schon ein Jahr alt, genauer gesagt: ...gestern geworden.

 

Nicht mein erster Blog, so viel sei auch dazu gesagt, aber immerhin hat er damit als aktiver Blog schon einmal ein respektables Alter erreicht.

Zum Feiern habe ich allerdings keine Lust.

8 Kommentare 26.7.08 15:35, kommentieren